Archiv für Oktober 2009

Bewohner für die verschiedenen Wasserzonen der Aquawall

Samstag, 31. Oktober 2009

24. September 09
Es wird Zeit, auch die Bodenregion zu beleben, schon damit keine Futterreste am Boden verderben und womöglich zu Nitritbelastung führen. Die Wahl fällt auf Corydoras julii, relativ klein (6 cm) bleibende Panzerwelse. Zunächst sind nur zwei Exemplare verfügbar. Das soll möglichst nicht so bleiben, denn die Tiere fühlen sich am wohlsten, wenn sie in kleinen Trupps (also min. vier Exemplare) den Bodengrund absuchen können. Dann sind sie eine verlässliche Gesundheitspolizei. Sie mögen es nicht zu hell und schätzen es, zwischen Pflanzen, Steinen, unter Blumentöpfen oder wie in meiner Aquawall in einer halben Kokosnuss Deckung nehmen zu können.

c.julii

Kokosnuss+Vallisnerien

25. September 09
Zwei weitere Panzerwelse ergänzen wie geplant die beiden vorhandenen zur Gruppe. Die Julii scheinen recht irritiert von ihren Ebenbildern in der spiegelnden Rückwand. Sie schwimmen emsig davor auf und ab.
Bunte Akzente bringt ein Schwarm Neontetras in die Aquawall: Aus gutem Grund werden die Fischchen in den meisten Zoohandlungen mit 10er-Rabatt angeboten, weniger als acht können schwerlich als „Schwarm“ angesprochen werden. Mit zehn Exemplaren kommt man dem Schwarmbedürfnis der Art entgegen und erst so entfalten die Winzlinge (bis 4 cm) ihre Wirkung.
Auch das gewünschte Javamoos (Vesicularia dubyana) bekomme ich heute. Die Pflanzen wurzeln nicht im Bodengrund, sondern setzen sich auf Unterlagen wie Steinen und Moorkienholz fest, wo sie äußerst dekorative, dicht verzweigte Polster bilden. In meiner Aquawall soll eine Kokosnusshälfte begrünt werden. Um beim Einsetzen das Anhaften zu ermöglichen, bohre ich die Nussschale auf und fädle einen transparenten Nylonfaden (oder Angelschnur) durch, der das Moosbüschel auf der Nussoberfläche festhält.

Javamoos-auf-kokosnuss

28. September 09
Ein Freund klagt über Überbevölkerung in seinem 120-l-Becken aufgrund der bekannten Fertilität der Schwertträger. Er pflegt die unifarben leuchtend dunkelorange Züchtung.
Meine Tochter fängt vier Jungfische (knapp 2 cm) und bringt sie in die Aquawall ein.

Einstellungssache

Die Beleuchtungszeiten habe ich unterdessen noch einmal leicht modifiziert: auf nunmehr 11 Std. mit 30 Min. „Mittagspause“. Gerade bis das Becken „eingefahren“ ist, braucht es etwas Fingerspitzengefühl, um Algenwachstum zu minimieren und Pflanzenwachstum zu stimulieren.
Kräftiges Pflanzenwachstum ist das schönste Mittel gegen Algen. Gesunde Pflanzen sind Nährstoffkonkurrenten der Plagegeister. Ich werde daher eine Bodengrunddüngung (Tonkugeln als Nährstoffträger) vornehmen.
Mindestens am Anfang soll ein wöchentlicher Teilwasserwechsel (von 10-15 Litern) Nitrat- und Phosphatwerte gering halten, denn beide Stoffe sind Algendünger.

Ach ja, die Belüftungszeiten habe ich drastisch reduziert: von den werkseitig programmierten 6 Stunden (!?) auf 2 x 30 Minuten zu Zeiten, in denen das Licht aus ist, also die Pflanzen mangels Photosynthese keinen Sauerstoff abgeben: 22-22.30 Uhr und 13-13.30 Uhr. Die Wirkung der O2-Zufuhr versuche ich zu verstärken, indem ich (sofern anwesend) die Becken-Abdeckung hoch klappe (hier wie bei allen Arbeiten am Becken bewährt sich ein 16 cm langes Brettchen als passende Abdeckungsstütze), denn der Hauptaustausch von Gasen sollte an der Wasseroberfläche stattfinden, zumal wenn diese durch die starke Filterströmung gut bewegt ist. Bei zugeklappter Abdeckung wird dieser Effekt gedämpft, weil die sechs kleinen Luftlöcher über der Lampe dafür ein wenig knapp bemessen sind.
Auch wird durch das Öffnen das Verkalken der Abdeckung durch die vielen empor sprudelnden Wasserspritzer vermieden. Was m. E. die munteren Sauerstoffbläschen so fragwürdig macht: Das Gesprudel reißt die düngende Kohlensäure aus dem Wasser und zu viel Sauerstoff begünstigt Blaualgen. In vielen Aquarianerjahren mit “normalen” Becken habe ich eigentlich immer schadlos ganz auch die beliebten Ausströmersteine verzichtet. Lediglich die in Relation zur Wassermenge recht kleine für den natürlichen Gasaustausch verfügbare Oberfläche und das entsprechend schmale, schlecht gelüftete Luftkissen darüber, hindern mich daran, die O2-Pumpe ganz abzuschalten. Zum Vergleich: Ein Standardbecken ähnlichen Volumens hat etwa 2700 cm2 Wasseroberfläche, die Aquawall aber nur ca. 2000 cm2.

10. Oktober 09
Um ein wenig optische Gliederung in die „Wasserwand“ zu bringen, schneide ich einige Bambusstäbe auf ungefähre Beckenhöhe und stecke sie in den Bodengrund. Gründliches Säubern und Überbrühen der Stäbe soll leidliche Keimfreiheit schaffen. Die Sägekanten sind natürlich geglättet, um eine Verletzungsgefahr der Fische auszuschließen. Die naturnahe Deko hat sein Vorbild im ufernahen Röhricht.

Helleri+BambusBambus+Fettbl.+Cabomba

Aquawall: Benutzer-Logbuch eines neuartigen Wandaquariums

Donnerstag, 29. Oktober 2009

10. September 09: guter Start mit verlässlichem Lieferservice
Die Lieferung wird telefonisch avisiert und das 2-m-Paket anstandslos in die 1. Etage zum Aufstellort gebracht.

11. September: Montage klappt
Trotz der teilweise unklaren „Bedienungsanleitung“ ist die Montage klar und einfach. Theoretisch. Praktisch treffe ich mit dem 12er-Bohrer für die 6 Schwerlastanker, welche die beiden Montagewinkel an der Wand fixieren auf den ein oder anderen Hohlraum(ziegel). Zwar scheinen die Träger die gut 50 Kilo dennoch mühelos aufzunehmen, aber mit Blick auf die beim Befüllen hinzukommenden gut 100 Kilo setze ich vorsichtshalber zwei Kantholzstützen unter das Becken.

12. September: Wasser marsch!
Zuerst heißt es Sand waschen. Ich entscheide mich für dunklen, fast schwarzen Aquarienkies: aus optischen Gründen, weil das sehr gut mit den schwarzen Geräteboxen der Anlage harmoniert und einen wunderbaren Kontrast zu sattgrünen Wasserpflanzen bildet. Physikalisch möchte ich mit dem dunklen Lichtschlucker unerwünschten Algen das Leben schwerer machen.
Mit 20 Kilo sauberem Kies ist schließlich das Becken gut befüllt.
Bleibt Platz für 80 Liter Wasser. Und schon geht’s in den „grünen Bereich“.
Für die Bepflanzung begnüge ich mich zunächst mit 6 Bund:
1 Bund Riesenvallisnerien
2 Bund Schraubenvallisnerien
1 Bund Fettblatt
1 Bund Cabomba
1 Bund Elodea

Bekanntlich pflanzt man nicht durcheinander, sondern in Gruppen.
Die Fotos zeigen die Bepflanzung und erste weitere Deko. Die beiden Kokosnusshälften sind abgelagert und wurden zuvor zum Desinfizieren kurz gekocht. Sie sollen später einigen Panzerwelsen Deckung bieten und gelegentlich mit Javamoos besiedelt werden.
Jetzt heißt es ein paar Tage geduldig abwarten, bis sich die Wasserchemie „eingelaufen“ hat und die Pflanzen erste Anwachsneigung verraten. Erst dann heißt es: Vorhang auf für die bunten Hauptdarsteller.

20. September 09
Nach einer Woche: Pflanzen lassen zu wünschen übrig. Bei Schraubenvallisnerien und Elodea faulen die Blätter, obwohl bei fast allen Pflanzen Neuwurzelbildung stattgefunden hat. Ich ändere die seltsame drei Etappenbeleuchtung auf 10 Std. am Stück. Die welken Pflanzenteile sauge ich beim Teilwasserwechsel ab. Bemerkenswert: die theoretsich etwas empfindliche Cabomba macht noch den besten Eindruck, vermutlich wegen der guten CO2-Düngung. Für die Elodea gilt wohl, dass sie bei Temperaturen über 20 °C, meine Aquawall steht auf 24 °C, lichthungrig ist.

21. September 09
Mit 2 Bund Vallisnerien und 1 Bund Fettblatt „forste“ ich auf.

23. September 09
Meine Tochter mag nicht länger warten: Sie wählt vier Guppys aus. Drei Weibchen und ein Männchen sind der richtige “Zuchtansatz” für die pflegeleichten Lebendgebärenden. Die Fische fühlen sich augenscheinlich sogleich wohl in der kräftigen Strömung der Aquawall und nehmen umstandslos die gebotenen Futterflocken. Als Bewohner der Oberflächenzone nehmen sie als natürlichen Leckerbissen auch gern dargebotene Mücken.

G.männchen9G.PaarG.weibchenGmännGup.+Elodea